In geschäftlichen Angelegenheiten ist die Atmosphäre eher formell und distanziert. So sind Schlips und Anzug die obligatorische Kleidung und bevor man mit den Arbeitskollegen und Vorgesetzten vertrauter geworden ist, empfiehlt es sich, die Mitarbeiter zu siezen. In Bolivien ist der Sinn für Pünktlichkeit nicht sehr ausgeprägt und Verspätungen kommen daher oft vor. Oft unterbrechen politische Unruhen, Streiks und Demonstrationen die Struktur des Arbeitsalltags.
In Bolivien wird eine ausländische Ausbildung sehr hoch geachtet. Die Einwohner sind es gewohnt, unter Anweisungen von ausländischen Vorgesetzten zu arbeiten. Die bolivianische Gesellschaft ist hierarchisch aufgebaut und es kommt oft zu Diskriminierungen zwischen den einzelnen Schichten. Allerdings sind die Vorgesetzten mehr und mehr versucht, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln, sodass die Diskriminierung zusehends nachlässt. Wenn am Arbeitsplatz Interesse und Respekt gegenüber anderen gezeigt wird, ist das Arbeitsklima sehr angenehm.
Trotzdem sind Neid und Rivalität zwischen Kollegen keine Seltenheit, da der bolivianische Arbeitsmarkt nicht viele Möglichkeiten für eine Beförderung bereithält. Die geringen Gehälter sind keine Motivation die ohnehin schon schlechte Arbeitsmoral zu stärken. Der Sinn für Verantwortung und Disziplin ist im ganzen Land nicht sehr stark ausgeprägt. Diese schwache Arbeitsmotivation der bolivianischen Bevölkerung lässt sich auf die jahrhundertelange Ausbeutung des Landes und der Einwohner zurückführen.